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AKFS - Arbeitskreis Kaltwasserfische und Fische der Subtropen
Autor: Hans-Joachim Scheffel,
17. November 2013

 

„Arbeitskreis Kaltwasserfische und Fische der Subtropen“ (AKFS) - Leidenschaft und Sachverstand Fische beobachtender Hobbyisten und Biologen

AKFS-Emblem_Elassoma_okefenokee_von_Joerg_BohlenAKFS-Emblem Elassoma okefenokee (von Jörg Bohlen)

 

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Der Autor bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Stichlinge keschern. Foto: Uwe Haesloop.

 

1998 wurde der „Arbeitskreis Kaltwasserfische und Fische der Subtropen (AKFS)“ bei einer Zusammenkunft des „Verbandes Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA)“ gegründet. AKFS’er sind Aquarianer und Teichbesitzer, Hobbyisten und Biologen mit Interesse an der Haltung und Vermehrung von einheimischen bzw. europäischen Fischen, auch solchen anderer gemäßigten Klimazonen der nördlichen (Nordamerika, Ostasien, Mediterranien) und südlichen Hemisphäre (südliche Regionen von Südamerika, Südafrika, südliches Australien und Neuseeland) sowie der kühleren Hochlagen der Tropen. Tiere (Fische als auch Wirbellose) und Pflanzen des Süß-, Brack- und Meerwassers lassen sich berücksichtigen. Wildfische sind bislang mehr als Zuchtformen von Interesse. Bis Ende 2000 gab es einen kontinuierlichen Mitgliedszahlenanstieg von 1 auf 37 und bis Anfang 2008 sind es 75 Mitglieder aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Italien und Dänemark.

Was geschieht innerhalb des AKFS? Jährliche Treffen und themenorientierte Sonderveranstaltungen und Exkursionen, Tausch von Fischen unter Fischhaltern und die Herausgabe von AKFS-aktuell, einer handgemachten Informationsschrift, die mindestens zweimal jährlich erscheint. Der AKFS ist mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten. Insbesondere über diese von Klaus Lampe erstellten Homepage sind viele auf den AKFS aufmerksam geworden und es konnten auf diesem Wege einige Mitglieder gewonnen werden. Schauen Sie mal rein: www.akfs-online.de. Darin enthalten sind einige ältere Artikel aus AKFS-aktuell, Vorstellung einiger AKFS-relevanter Arten, einige Tagungs- und Exkursionsberichte, ausgewählte Termine anderer Institutionen, Vorträge unserer Mitglieder, Links zu guten und wichtigen Internetseiten usw.

Anklang finden unsere Exkursionen: 1999 führte Organisator Stefan Krumme die bisher am besten besuchte Exkursion an der Rheinlache bei Koblenz durch. Per Elektrofischerei wurden unter anderem Süßwassergarnelen (Atyaephyra desmarestei) und Sonnenbarsche (Lepomis gibbosus) gefangen. Im Jahr 2000 wurden von Christoph Dümpelmann (Organisator am Treffpunkt Marburg) mit großen Netzen in einem künstlich geschaffenen Altarm an der Marburger Lahn schöne Karauschen und in der Lahn von Dirk Hübner per Elektrofischerei junge Äschen (Thymallus thymallus) nachgewiesen.

 

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Ein attraktiver Einheimischer: der Kaulbarsch Gymnocephalus cernua. Foto: Jörg Freyhof.

 

In 2001 ließ uns Tierpfleger Andreas Liedmann einen Blick hinter die Kulissen der Aquarien und Terrarien des Wuppertaler Zoos werfen und Ingenieur Rupert Pischel führte uns die Fischaufstiegsanlage am Wupper-Wehr Buchenhof vor. Organisator in Wuppertal war Peter Moll mit GATW Wuppertal. Dr. Schwerdtfeger vom Alten Botanischen Garten Göttingen wies uns in 2002 in die Vielfalt einheimischer Wasser- und Sumpfpflanzen ein und 2003 besuchten wir Prof. Ziemek in seinem Buntbarschverhaltens-Labor für Schüler in der Uni Gießen. 2005 besuchten wir das Institut für Gewässerbiologie in Berlin, genauer Dr. Jörg Freyhof und Dr. Jörn Gessner. Wir lauschten ihren Vorträgen über Coregonen und Saiblingen, informierten uns über den Stand des Wiedereinbürgerungsversuches von Acipenser sturio bzw. A. oxyrinchus und schauten uns die Hälterungsanlagen des Instituts an.

 

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Jörg Freyhof (stehend) beim Referat. Foto: Klaus Lampe.

 

Im Jahr 2006 stand beim AKFS-Treffen in Wuppertal die Gemütlichkeit im Vordergrund und es gab japanische Siniperca kawamebari zu sehen (Organisator Peter Moll mit GATW Wuppertal). In 2007 fand das Treffen in Frankfurt statt und erstreckte sich zum ersten Mal über zwei Tage. Neben dem Erfahrungs- und Fischaustausch fanden drei Vorträge Gehör und der Fischgroßhandel Aquarium Dietzenbach wurde besucht (Organisator Michael Fußmann mit dem Verein Argus). Unvergessen bleiben die Vorträge von Karl-Heinz Demant über kalifornische Wüstenfische, von Stefan Krumme über Fische und Fischerei im Rhein bei Koblenz sowie über spezielle Fangmethoden, von Michael Schwerdtfeger über die Wasser- und Sumpfpflanzen des Alten Botanischen Gartens von Göttingen, von Christoph Dümpelmann über Fische von neu geschaffenen Altarmen an der Lahn, von Jörg Bohlen über Steinbeißer Europas, der Türkei und Ostasiens, von Arne Nolte über die Artentstehung von Fischen anhand der Groppen, über Zwergschwarzbarsche sowie über Fische Louisianas, von Hans-Peter Ziemek über die Wahrnehmung von Naturphänomenen von Schülern aufgezeigt anhand von Arbeiten zur Verhaltensbiologie von Fischen, von Jörg Freyhof über „neue“ Fische Europas, von Dr. Gessner über Störe der Nord- und Ostsee, von Thomas Litz über Fische Uruguays, von Michael Fußmann über aquaristische Erfahrungen zur Buntbarschgattung Gymnogeophagus und von Stefan Körber über Fische Misiones und Floridas.

AKFS’er zusein hat den Vorteil, auf keine Fischfamilie oder Region eingeschränkt bleiben zu müssen. Ein viel gehaltener Fisch ist der Dreistachelige Stichling Gasterosteus aculeatus, ein echter Evergreen. Es macht immer wieder Spaß, die Männchen beim Nestbau zu beobachten und die Jungen aufwachsen zu sehen. Die absoluten Stars unter den AKFS-relevanten Fischen sind die Zwergsonnenbarsche. Werden Elassoma evergladei und E. zonatum schon häufig nachgefragt, so ist es insbesondere der AKFS-Emblemfisch E. okefenokee, deren Nachfrage kaum befriedigt werden kann, obwohl dies die meist gehaltene Art innerhalb des AKFS ist. Die Vermehrung dieser Art gelingt im Aquarium seltener, dagegen ist sie im Garten in der prallen Sonne ausgesetzten und nicht in der Erde eingegrabenen Kübeln leicht möglich. Wer sie dennoch im Aquarium zur Vermehrung ansetzen will, sollte es mit kleinen Plastikaquarien von 10 bis 30 Liter Inhalt ohne Beifische versuchen, da Alttiere wie Nachwuchs sich hier gezielter füttern lassen. Wie neueste Forschungen ergeben haben, stehen die Zwergsonnenbarsche entgegen früherer Annahmen nicht den Sonnenbarschen verwandtschaftlich nahe, sondern den Stichlingen. Dies ist am Zickzack-Tanz der Männchen in beiden Familien ablesbar.

Durch die vielen Uruguay-Reisen eines AKFS-Mitglieds sind viele Salmler- und Welsarten in der AKFS-Artenliste enthalten. Für den Salmler Characidium rachovii und den Wels Corydoras paleatus gibt es mehrere Halter und Vermehrer. Im Aquarium schreitet C. paleatus im Winter bei 16 °C zur Fortpflanzung. Draußen im Freilandaquarium wird noch bei 12 °C gefressen. Wünschenswert wäre es, wenn der AKFS sich an der Bestandserhaltung des Patagonischen Nacktsalmers Gymnocharacinus bergii beteiligen könnte. Der Erhalt dieser Art ist aber nicht vom AKFS oder anderer Aquarianer abhängig, nunmehr ist die örtliche Nationalparkverwaltung dabei die Biologie dieses Salmlers zu erkunden und hat dabei auch die Bestandssituation im Auge.

Unter den Killifischen ist die Gattung Aphanius mit ca. 10 vorderasiatischen Arten und die U.S.-amerikanische Gattung Fundulus mit 9 Arten im AKFS vertreten. In Gartenkübeln lassen sie sich bei voller Sonneneinstrahlung vermehren. Der meist gehaltene Killi ist Lucania goodei, der Rotschwanzkärpfling, dessen Vermehrung auch im Aquarium gelingt. Wünschenswert wäre auch eine Bestandserhaltung von europäischen Aphanius und Valencia-Arten, sind sie doch vom Aussterben bedroht. Immerhin hat sich ein spanisches Institut der iberischen Killi-Arten mit dem Ziel der Erhaltung angenommen. Aquaristisch nahezu unbekannt sind die Killifischarten im hochgelegenen und damit kühlen Titicaca-See.

Unter den Karpfenfischartigen (Cyprinidae) ist die Auswahl an Kaltwasser- und subtropischen Arten riesengroß; ca. 50 Arten finden sich innerhalb des AKFS wieder. Koi (Cyprinus carpio aberrans) sind bisher bemerkenswerter Weise kaum innerhalb des AKFS zum Zuge gekommen, es besteht bislang wenig Interesse an Zuchtformen. Besonders beliebt sowohl im Aquarium wie im Teich sind Karausche (Carassius carassius), Sumpfelritze (Phoxinus percnurus), Moderlieschen (Leucaspius delineatus) und europäische Bitterlinge (Rhodeus amarus). Alles Arten die sich in kleinen Gartenteichen und größeren Kübeln vermehren lassen. Wobei Moderlieschen aufgrund des Laichbewachens durch die Männchen und die Bitterlinge aufgrund ihres Ablaichverhaltens im Zusammenspiel mit Muscheln prädestinierte Objekte für Aquarienbeobachtungen sind. Die am meisten gehaltenen Cypriniden sind jedoch die kleinen Kardinalfischarten Südchinas und Mittelvietnams, Tanichthys albonubes und T. micagemmae. Beide Arten sind leicht vermehrbar, innerhalb eines Jahres lassen sich mehrere Kohorten nebeneinander im selben Becken aufziehen, da die Elterntiere den Jungtieren kaum nachstellen.

 

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Ein Beispiel für subtropische Fische: Prachtbarben Barbus conchonius. Foto: Klaus Lampe.

 

Erfreulich ist, dass bereits elf europäische und asiatische Schmerlenarten von AKFS-Mitgliedern vermehrt werden konnten. Unter den Lebendgebährenden sind einige Hochlandkärpflinge (Goodeidae) und Arten verschiedener Gattungen der Südstaaten der USA und des südlichen Südamerika AKFS-relevant. Zu den meist gepflegten Arten gehört der Zwergkärpfling Heterandria formosa und die gescheckte Form des Kaudi Phalloceros caudimaculatus. Recht resistent gegenüber niedrigen Temperaturen ist der Kaudi, so dass bei einer Gartenhaltung erst Anfang Oktober mit dem Abfischen begonnen werden muss. Heikler ist da der Zwergkärpfling, der Temperaturen unter 18 °C offenbar nur kurzzeitig verträgt, aber hier gehen die Erfahrungen auseinander.

Unter den Labyrinthfischen ist die Zahl an Arten, die kühle oder gemäßigte Temperaturen vertragen, noch im wesentlichen auf die Gattung Macropodus begrenzt. Häufig gehalten wird der Chinesische Rundschwanzmakropode Macropodus ocellatus, aber auch der Gemeine Makropode M. opercularis, ist in AKFS-Aquarien verbreitet. Während vor allem nördliche Stämme des Chinesen eine kühle Überwinterung brauchen (12 °C und kühler), sollte man damit beim Gemeinen etwas vorsichtiger sein, d.h. eine Abkühlung auf 15 °C wird vertragen, sollte aber nicht mehrmonatig andauern. Bei einer derartigen Überwinterung wird ab 18 °C gelaicht.

Auch Buntbarsche schwimmen in AKFS-Aquarien, vor allem aus dem Kreis um „Cichlasoma facetum“ (Chanchitos) und aus der Gattung Gymnogeophagus, von denen noch nicht alle wissenschaftlich beschrieben sind. Alle lassen sich bei Temperaturen um und unter 20 °C halten, will man aber die Entwicklung im Ei und das Abwachsen der Jungfische sichern, bedarf es aber doch durchgängig hoher Temperaturen von 22 bis 25 °C.

Lücken im AKFS-Bestand gibt es hinsichtlich der Fische Afrikas. Einige Pseudobarbus- und Barbus-Arten der Kap- und Natal-Region sind in Südafrika selbst beliebte Aquarienfische. Von manchen äquatornahen Hochlagen des tropischen Afrikas (z.B. Gabun) sind Wassertemperaturen von weniger als 20 °C bekannt und in Ostafrika sind AKFS-relevante Arten existent. So erwies sich der Buschfisch Ctenopoma muriei aus Uganda in einem Laboratorium bei 17 °C haltbar.

Zahlreich sind die Galaxias-Arten von Australien, Tasmanien und Neuseeland. Unter ihnen gibt es Arten, die zwischen Meer und Fluß wandern als auch zeitlebens in Binnengewässern verbleibende Arten. Leider sind noch keine Galaxien im AKFS vertreten. Galaxien entsprechen in ihrer Erscheinung und Lebensweise unseren Forellen, bleiben aber kleiner. Verwandte finden sich auch in den Südzipfeln Südamerikas und Afrikas.

Aus manchen Regionen Chinas sind in den kommenden Jahren sicherlich noch viele gut halt- und vermehrbare Arten zu erwarten. Viele Fische Japans sind den hiesigen an Fischen Interessierten vollkommen unbekannt. In früheren Zeiten wurden Reiskärpflinge der Art Oryzias latipes des Öfteren in Europa gehalten. Heute ist der Japanische Reisfisch, ebenfalls als O. latipes bezeichnet, ein viel gehaltener Fisch, allerdings nur in wissenschaftlichen Laboratorien Ostasiens. Aber auch als Testorganismus auf Weltraumexpeditionen europäischer Unternehmen fand dieser Fisch schon Verwendung.

Vollkommen unerschlossen für AKFS’er ist lediglich die Tiefsee, obwohl Tannenzapfenfische (Monocentris japonicus) und ihre Leuchtorgane z.B. im Berliner Zooaquarium bereits zu bewundern sind. Um weitere Tiefseearten in Aquarien erforschen zu können bedarf es der Möglichkeit einer dauerhaften Haltung bei 4 °C, die Tiefseefische müssten unbeschadet aus der Tiefsee gewonnen werden können und die Aquarien müssten einen Druck von mehreren Atmosphären aushalten. Fische der Antarktis wären ebenfalls als AKFS-relevant zu bezeichnen, sie zieren bereits das Titelbild von AKFS-aktuell Nr. 19.

Man sieht, der AKFS hat wenige Mitglieder, die sich für ein recht breites Artenspektrum interessieren, welches über die einheimische Ichthyofauna hinaus geht. Dazu kommen noch Wirbellose und Pflanzen.

 

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Es gibt beim AKFS immer was zu entdecken. Foto: Klaus Lampe.

 

Kontakt

Dipl.-Biol. Hans-Joachim Scheffel
Arbeitskreis Kaltwasserfische und Fische der Subtropen (AKFS)
Diemelweg 25
28205 Bremen
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www.akfs-online.de


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